Hintergrund

OECD-Studie
Inclusive Education in Germany

 

„Innerhalb des Kontextes der OECD-Studie wird in Deutschland ein relativ hoher Anteil Schüler (geschätzte 4% im Jahr 1997) sowohl im Grundschulalter als auch danach an Sonderschulen bzw. an Förderschulen für verschiedene Formen der Behinderung unterrichtet. Dennoch unterstützt die offizielle Politik, bestätigt durch ein Bundesgesetz aus dem Jahr 1990, die integrative Erziehung. In Berlin, dem untersuchten Bundesland, hat sich der Anteil behinderter Kinder an Regelschulen seit 1990 verdreifacht. Dennoch besuchen dort weiterhin vier Fünftel aller als behindert eingestufter Kinder Sonderschulen.

Ein ausgezeichneter integrativer Unterricht wurde an einer Berliner Grundschule beobachtet, die bundesweit seit langem einen hervorragenden Ruf auf diesem Gebiet besitzt. Gemischte Klassen, mit mehreren Kindern mit geringen bis schweren Behinderungen, werden von einem Team aus Lehrern und Assistenten unterrichtet, die nicht als Lehrer eingestuft sind und entsprechend geringer vergütet werden.

Die Mitarbeiter in den Klassenzimmern werden bei Bedarf durch den schuleigenen Sonderpädagogen beraten und unterstützt. Auf diese Weise ist die Schule weitgehend unabhängig von der Unterstützung durch Bezirksbehörden wie das Jugendamt. Ausgehend vom allgemeinen Lehrer-Schüler-Schlüssel lässt sich feststellen, dass der Unterricht von behinderten Schülern in dieser Einrichtung weniger kostet als wenn diese Schüler Sonderschulen besuchen würden.

Obwohl das integrative Erziehungsmodell in Deutschland allgemein als erfolgreich anerkannt wird, dient es nur wenigen Schulen als Vorbild. Das ist überraschend, wenn man in Betracht zieht, dass dieses Modell seit über 20 Jahren existiert und vom Gesetzgeber unterstützt wird. Zu den wesentlichen Voraussetzungen der erfolgreichen Entwicklung des integrativen Unterrichts an Regelschulen scheint nach wie vor die grundsätzliche Einstellungsänderung von Lehrern gegenüber dem Umgang mit behinderten Kindern zu gehören, ebenso wie die umfassende Ausbildung, diese Kinder angemessen unterrichten zu können.

Aus diesen Voraussetzungen ergeben sich wichtige Konsequenzen sowohl für die Weiterbildung von Lehrern als auch für das Lehramtsstudium selbst. Wenn die gegenwärtige Politik auf Bundesebene und die  Gesetzgebung hinsichtlich des integrativen Unterricht erfolgreich umgesetzt werden sollen, muss die gegenwärtige Ausbildung für Sonderpädagogik, die derzeit noch nahezu ausschließlich auf die Arbeit an Sonderschulen statt an Regelschulen fokussiert ist, einer gründlichen Untersuchung unterzogen werden.

AuszÜge aus der OECD/CERI Studie: „Inclusive Education“, Juli 1997; Übersetzung: Nicole KÜhner

Presseheft als PDF (1 MB)

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